Klangkritik.de

Rezensionen aus den Bereichen Elektronik, Funk, Soul, Jazz, RnB, House, Drum&Bass und Pop

Thursday, February 23, 2006

Curse - Sinnflut

'Ihr wollt mir sagen, gib den Leuten doch das, was sie wollen, doch ich hab immer das, was sie brauchen gemacht' ('Gegengift') - ah yeah, ein pädagogischer Anspruch! Als Rapper, Labelchef und Vater belädt sich Curse gerne schwer mit Erziehungsaufträgen. Kids, nehmt die Gangsta nicht so ernst, Kids, denkt an die Gummis, Kids, 'es ist nicht cool im Knast zu sein, ich kenn' keinen, der sagt, wie geil, da muss ich noch mal rein' ('Gangsta Rap'). Weil die Grenze zwischen den Kleinen und den Größeren, denen die Baggypants schon ein wenig enger sitzen, gar nicht so leicht auszumachen ist, lässt Curse auch seit Jahren nicht locker, soziale Probleme aufzuzeigen und das zu predigen, was der Gesellschaft so richtig gut täte: mehr Liebe.

HipHop jedenfalls tut gut daran, den eigenen Background zwar zu kennen und zu schätzen, aber ihn nicht gegen den Strich zu bürsten - Rapmusik ist ein urwüchsiges Phänomen, dem es a priori widerstrebt, wenn Wohlstandskinder plötzlich das Ghetto preisen. Curse kämpft gegen eine einseitige Akzentuierung in der Musik, welche so weit geht, dass die Straße künstlich produziert und die farbenfrohe HipHop-Welt reduziert wird auf Battlen, Dissen und Kiffen. Auch er redet von Kriminalität, Armut und Drogen, manchmal sogar so viel, dass Betroffenheitslyrik und Sozialporno in der 'Sinnflut' ein wenig über die Ufer treten. Dafür aber tut er das, was HipHop vor allem leisten sollte, nämlich Wege aufzeigen und Kraft spenden.

Dass Rap Soulmusik ist, zeigt sich auch an den Arrangements, größtenteils produziert von Claud und Busy, dem Beatpersonal bei 'Alles Real Records'. Soundtrackartige Samples mit wärmenden Streichern, dicken Bässen und viel Klavier begleiten Curse bei seinen sanfteren Ausflügen. Wunderbar kickende Minimalitäten tun sich im Track 'Flutlicht' auf, lediglich bestehend aus Beat, Kontrabass und Querflöte. Dick wie ein Panzer rollt 'Gangsta Rap', schaurigtraurig wiederum gibt sich ein Stück namens '24', ein meisterhaftes Zusammenspiel von apokalyptischen Chören, knackigen Drums und einer dramatischen Erzählung, welche die Minuten und Sekunden einer ungeschützten Liebesnacht mit dem Wert des Lebens aufrechnet.

Leidenschaftliche Stories wie diese, und so liebevolle Gesten wie die 'Münze des Glücks' zu werfen, machen Curse so menschlich in einer Szene voller Maskeraden, zu einem philosophischen Alltagshelden und herzigen Schwiegermuttertraum. Seinen Erziehungsauftrag für den Schulhof erfüllt er ganz nebenbei, und ist dabei auch noch so cool, dass immer noch Zeit für bestes Rap-Entertainment bleibt. Word.

Tuesday, February 21, 2006

... ein Zitat zwischendurch ...



"Über Musik reden ist wie zu Architektur tanzen." (Frank Zappa)


Stimmt schon irgendwie. Aber trotzdem - Johnny vom Spreeblick macht's Euch vor - ein bißchen regere Beteiligung per Comment wäre sehr nett! Coming up die nächsten Tage: Curse - Sinnflut (ja, schon wieder HipHop) und Camille - Le Fil, zwei fantastische Platten, über die es viel zu tanzen, äh, zu sagen gibt.