Black Eyed Peas - Monkey Business
Man wird bei den Black Eyed Peas den Eindruck der gecasteten Band einfach nicht los: die weiße Powerfrau, der Indio-Exot, und die zwei coolen schwarzen Rootsmänner - super, Multikulti verkauft sich gut. Weit gefehlt, würde man es da vom Management schimpfen hören, denn immer wieder beruft man sich auf den Westcoast-Background der Band, schließlich haben ihnen Bone Thugs'N'Harmony anno 1994 die Veröffentlichung auf dem Kultlabel 'Ruthless' vor der Nase weggeschnappt. 1998 dann das erste Album auf Interscope, einem großen amerikanischen Major.Woher also diese seltsame Diskrepanz zwischen Roots und Charts? Was ist hier authentisch und was nicht? Und vor allem: wen interessiert das heutzutage noch? Die Künstler selbst jedenfalls nicht, denn die haben sich 'Erfolg um jeden Preis' auf die Fahne geschrieben bzw. von der Industrie diktieren lassen. Ist diese Biegsamkeit, dieser Affentanz mit Medien und Produzenten gemeint, wenn die Black Eyed Peas ihre vierte Platte als 'Monkey Business' titulieren?
Vorliegendes Album ist so sauber produziert und rundgelutscht, dass der Effekt aller Blackness und Realness sofort wie schwarze Rauchschwaden in der Luft verpufft und 'verpoppt'. Der Sound ist kontrolliert und kühl, die Arrangements altbewährte Formeln, der Shuffle im Computer auf die Milisekunde genau berechnet. Und die Coolness ist mit dem Pulp-Fiction-Sample, das seit Jahren schon keiner mehr hören mag, bereits in den ersten Sekunden der Platte vertan.
Ein bißchen Szenetreue muß man den schwarzäugigen Erbsen dennoch zugestehen, denn trotz ihrem chartskompatiblen Singsang über Frieden und die Veränderung der Welt sind sie sich nicht zu schade, das althergebrachte Frauenbild des HipHop zu transportieren. Zunächst versucht 'My Humps' wie eine kleine feministische Revolution auszusehen: Fergie, die bereits erwähnte Powertussi, schüttelt ihre Kurven und dreht das Pimp-Klischee frech zu ihrem Vorteil um, da sie von den zahlenden Herren mit Drinks, 'Icies' (Diamanten) und der neuesten Mode ausgestattet wird. Nicht unsympathisch zunächst. Aus den zeilen 'I say no, but they keep givin’ / So I keep on takin’' liest sich dann jedoch das Kapitulieren vor den herrschenden Regeln heraus. Das Spiel wird blind mitgespielt, was dann in der Warnung gipfelt: 'You can look but you can’t touch it / If you touch it I'ma start some drama' - das Zicken als letztes Aufbäumen von femininer Macht. Seit Missy Elliot oder MIA wissen wir, wie kraftvoll und gewitzt weiblicher HipHop sein kann, die Peas tauschen jedoch lediglich die Sicht von männlich nach weiblich, ohne am Grundtenor zu operieren und rutschen auf der blitzblank gebohnerten Pimpoberfläche aus. Aber wenigstens diesen Gefallen haben sie ihnen getan, den guten, alten Homies von damals, an der Westcoast.


1 Comments:
At 2:56 PM,
Anonymous said…
Schön bobachtet. Aber vor allem: wen interessiert der Inhalt des Songs (dich, ja... :)), solange die Hintern geschüttelt werden? Mechanismen nutzen, aber sich 'ne Hinter(n)tür offen halten...
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