Coldcut - Sound Mirrors
Was für eine abgelutschte Kiste, wenn ich den ersten Review in meinem Blog beginne mit den Worten: "Coldcut sind erwachsen geworden". Ist aber so. Jedenfalls habe ich sie bisher unterschätzt, das gebe ich zu, waren sie doch in meinen Augen immer ein bißchen zu albern und zu speziell, um es zu so einem großen Album zu bringen, das fast schon poppig daherkommt und auch den Hörer anspricht, der mit dem Label Ninja Tune sonst nicht so viel anfangen kann.Immerhin: Die Themen sind die gleichen geblieben. Es geht um Politik, Ungerechtigkeit, Armut, Ökologie - brandaktuelle Sujets also, die Coldcut bereits vor acht Jahren auf 'Let Us Play' augenzwinkernd vom Kinderzimmer aus bearbeiteten. Heute braucht man aber keine hart gesampelte Sechszehntel-Kettensäge mehr, die den Beat ebenso wie den Regenwald zerschreddert. Diesmal scheint der Fokus auf Lyrics zu liegen. Und da wurde auch nicht an Gastvokalisten gespart. Ob männlich, weiblich, gesungen, gerappt, gesprochen, geflüstert, gehaucht, prosaisch erzählt oder plakativ geschrien, auf diesem Album ersetzt das Wort die gesampelte Geste.
Und unten drunter brennen die Beats. Der Opener 'Everything Is Under Control' holt erst mal die große Rock-Walze raus, 'Just For The Kick' und 'This Island Earth' lassen den britischen Rave auferstehen und atmen ganz tief Clubluft ein, 'Boogieman' und 'True Skool' arbeiten sich gekonnt an Ragga ab. Vor allem aber fehlen natürlich auch die Ninja-Tune-typischen, soundverliebten Downtempo-Nummern nicht. Da wird mit ruhiger Stimme und herzzereißenden Streichern auf den gescheiterten Businessman 'Mister Nichols' eingeredet, sich herumzudrehen und nicht aus dem 12. Stock zu springen, um das echte Leben jenseits des Kapitalwahns kennenzulernen, packend vorgetragen von Saul Williams. Studiogast Robert Owens wiederum kämpft mit allem verfügbaren Soul auf 'Walk A Mile In My Shoes' gegen Überheblichkeit und Vorurteile. Diese Platte bietet einen überraschenden, wundervollen Tiefgang, da ist auch der Titeltrack mit seinen filigranen Mikrosounds aus dem Laptop und Makrogefühl aus dem Orchestergraben keine Ausnahme.
Insgesamt unterhält 'Sound Mirrors' bis zur letzten Sekunde und bietet Musik für jede Lebenslage und - so schlimm das auch klingt - für jeden Geschmack. Eine schöne Überraschung im noch recht frischen Musikjahr 2006.


1 Comments:
At 6:58 PM,
Anonymous said…
klangkritik.blogspot.com is very informative. The article is very professionally written. I enjoy reading klangkritik.blogspot.com every day.
payday loan bc
canadian payday loans
Post a Comment
<< Home