Klangkritik.de

Rezensionen aus den Bereichen Elektronik, Funk, Soul, Jazz, RnB, House, Drum&Bass und Pop

Friday, January 27, 2006

Black Eyed Peas - Monkey Business

Man wird bei den Black Eyed Peas den Eindruck der gecasteten Band einfach nicht los: die weiße Powerfrau, der Indio-Exot, und die zwei coolen schwarzen Rootsmänner - super, Multikulti verkauft sich gut. Weit gefehlt, würde man es da vom Management schimpfen hören, denn immer wieder beruft man sich auf den Westcoast-Background der Band, schließlich haben ihnen Bone Thugs'N'Harmony anno 1994 die Veröffentlichung auf dem Kultlabel 'Ruthless' vor der Nase weggeschnappt. 1998 dann das erste Album auf Interscope, einem großen amerikanischen Major.

Woher also diese seltsame Diskrepanz zwischen Roots und Charts? Was ist hier authentisch und was nicht? Und vor allem: wen interessiert das heutzutage noch? Die Künstler selbst jedenfalls nicht, denn die haben sich 'Erfolg um jeden Preis' auf die Fahne geschrieben bzw. von der Industrie diktieren lassen. Ist diese Biegsamkeit, dieser Affentanz mit Medien und Produzenten gemeint, wenn die Black Eyed Peas ihre vierte Platte als 'Monkey Business' titulieren?

Vorliegendes Album ist so sauber produziert und rundgelutscht, dass der Effekt aller Blackness und Realness sofort wie schwarze Rauchschwaden in der Luft verpufft und 'verpoppt'. Der Sound ist kontrolliert und kühl, die Arrangements altbewährte Formeln, der Shuffle im Computer auf die Milisekunde genau berechnet. Und die Coolness ist mit dem Pulp-Fiction-Sample, das seit Jahren schon keiner mehr hören mag, bereits in den ersten Sekunden der Platte vertan.

Ein bißchen Szenetreue muß man den schwarzäugigen Erbsen dennoch zugestehen, denn trotz ihrem chartskompatiblen Singsang über Frieden und die Veränderung der Welt sind sie sich nicht zu schade, das althergebrachte Frauenbild des HipHop zu transportieren. Zunächst versucht 'My Humps' wie eine kleine feministische Revolution auszusehen: Fergie, die bereits erwähnte Powertussi, schüttelt ihre Kurven und dreht das Pimp-Klischee frech zu ihrem Vorteil um, da sie von den zahlenden Herren mit Drinks, 'Icies' (Diamanten) und der neuesten Mode ausgestattet wird. Nicht unsympathisch zunächst. Aus den zeilen 'I say no, but they keep givin’ / So I keep on takin’' liest sich dann jedoch das Kapitulieren vor den herrschenden Regeln heraus. Das Spiel wird blind mitgespielt, was dann in der Warnung gipfelt: 'You can look but you can’t touch it / If you touch it I'ma start some drama' - das Zicken als letztes Aufbäumen von femininer Macht. Seit Missy Elliot oder MIA wissen wir, wie kraftvoll und gewitzt weiblicher HipHop sein kann, die Peas tauschen jedoch lediglich die Sicht von männlich nach weiblich, ohne am Grundtenor zu operieren und rutschen auf der blitzblank gebohnerten Pimpoberfläche aus. Aber wenigstens diesen Gefallen haben sie ihnen getan, den guten, alten Homies von damals, an der Westcoast.

Wednesday, January 11, 2006

Coldcut - Sound Mirrors

Was für eine abgelutschte Kiste, wenn ich den ersten Review in meinem Blog beginne mit den Worten: "Coldcut sind erwachsen geworden". Ist aber so. Jedenfalls habe ich sie bisher unterschätzt, das gebe ich zu, waren sie doch in meinen Augen immer ein bißchen zu albern und zu speziell, um es zu so einem großen Album zu bringen, das fast schon poppig daherkommt und auch den Hörer anspricht, der mit dem Label Ninja Tune sonst nicht so viel anfangen kann.

Immerhin: Die Themen sind die gleichen geblieben. Es geht um Politik, Ungerechtigkeit, Armut, Ökologie - brandaktuelle Sujets also, die Coldcut bereits vor acht Jahren auf 'Let Us Play' augenzwinkernd vom Kinderzimmer aus bearbeiteten. Heute braucht man aber keine hart gesampelte Sechszehntel-Kettensäge mehr, die den Beat ebenso wie den Regenwald zerschreddert. Diesmal scheint der Fokus auf Lyrics zu liegen. Und da wurde auch nicht an Gastvokalisten gespart. Ob männlich, weiblich, gesungen, gerappt, gesprochen, geflüstert, gehaucht, prosaisch erzählt oder plakativ geschrien, auf diesem Album ersetzt das Wort die gesampelte Geste.

Und unten drunter brennen die Beats. Der Opener 'Everything Is Under Control' holt erst mal die große Rock-Walze raus, 'Just For The Kick' und 'This Island Earth' lassen den britischen Rave auferstehen und atmen ganz tief Clubluft ein, 'Boogieman' und 'True Skool' arbeiten sich gekonnt an Ragga ab. Vor allem aber fehlen natürlich auch die Ninja-Tune-typischen, soundverliebten Downtempo-Nummern nicht. Da wird mit ruhiger Stimme und herzzereißenden Streichern auf den gescheiterten Businessman 'Mister Nichols' eingeredet, sich herumzudrehen und nicht aus dem 12. Stock zu springen, um das echte Leben jenseits des Kapitalwahns kennenzulernen, packend vorgetragen von Saul Williams. Studiogast Robert Owens wiederum kämpft mit allem verfügbaren Soul auf 'Walk A Mile In My Shoes' gegen Überheblichkeit und Vorurteile. Diese Platte bietet einen überraschenden, wundervollen Tiefgang, da ist auch der Titeltrack mit seinen filigranen Mikrosounds aus dem Laptop und Makrogefühl aus dem Orchestergraben keine Ausnahme.

Insgesamt unterhält 'Sound Mirrors' bis zur letzten Sekunde und bietet Musik für jede Lebenslage und - so schlimm das auch klingt - für jeden Geschmack. Eine schöne Überraschung im noch recht frischen Musikjahr 2006.

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In diesem Blog werde ich unregelmässig Neuerscheinungen in den Bereichen Elektronik, Funk, Soul, Jazz, RnB, House, Drum&Bass und Pop besprechen. Ich wünsche viel Spaß und freue mich auf Kommentare.